Was wir unter „Engagement leichter machen“ wirklich verstehen
Wenn wir bei Aktivismo sagen, dass wir Engagement leichter machen wollen, klingt das zunächst wie ein Satz, der überall stehen könnte und doch fast nirgendwo so gemeint ist, wie wir ihn meinen. Wir merken immer wieder, dass dieses „leichter“ Fragen auslöst, weil es schnell nach Vereinfachung um jeden Preis klingt oder nach einer Abkürzung, die man sich eigentlich nicht nehmen darf. Für uns steckt darin etwas anderes, etwas Behutsameres, das mehr mit Alltag, Überforderung und echter Verantwortung zu tun hat, als mit Tempo oder Bequemlichkeit.
Leichter heißt nicht weniger ernst
Wir tragen oft gleichzeitig zu viel und zu wenig. Zu viel, weil die Probleme groß sind und sich selten an unsere Kalender halten. Zu wenig, weil Zeit, Geld, Aufmerksamkeit und Kraft begrenzt sind. Wenn wir dann „leichter“ sagen, meinen wir nicht, dass Engagement flach werden soll oder dass Komplexität verschwindet, nur weil sie unbequem ist. Wir meinen, dass es möglich sein muss, inmitten von Komplexität handlungsfähig zu bleiben, ohne sich selbst zu verlieren. Leichter ist für uns eine Einladung, den ersten Schritt so zu gestalten, dass er nicht schon alles entscheiden muss, sondern erst einmal trägt.
Leichter heißt: vom Gedanken zur Handlung, ohne zu stolpern
In vielen Gesprächen begegnet uns derselbe Moment. Da ist eine Idee, manchmal nur ein Satz, manchmal ein ganzer innerer Monolog, und sie hat Wärme und Richtung. Und dann kommt der Bruch, weil sich alles, was danach nötig wäre, wie eine Wand anfühlt: die richtigen Worte finden, die nächsten Schritte sortieren, Menschen ansprechen, Verantwortung klären, Risiken bedenken. Wir kennen das aus eigener Erfahrung, auch im Team, auch bei Dingen, die uns wichtig sind. Leichter heißt für uns, diesen Übergang weniger brüchig zu machen, damit aus dem Impuls kein schlechtes Gewissen wird, sondern ein Anfang, der machbar bleibt.
Leichter heißt: Struktur als Entlastung, nicht als Korsett
Struktur hat bei vielen einen schlechten Ruf, weil sie nach Bürokratie riecht oder nach dem Gefühl, sich ständig rechtfertigen zu müssen. Dabei kann Struktur auch etwas Sanftes sein, wenn sie nicht dominiert, sondern stützt. Wir wünschen uns eine Struktur, die Fragen stellt, die sowieso in der Luft liegen, und sie so ordnet, dass man wieder atmen kann. In der Kampagnen-Schmiede spüren wir genau diesen Punkt: Ein Entwurf ist nicht die Wahrheit, aber er kann den Raum öffnen, in dem wir wieder klar denken. Es geht nicht darum, dass eine Maschine uns sagt, was richtig ist, sondern dass wir einen Halt bekommen, um selbst bewusster entscheiden zu können.
Leichter heißt: Verantwortung bleibt bei uns
Ich, Johann, merke beim Entwickeln immer wieder, wie schnell man in die Versuchung gerät, ein Werkzeug zu bauen, das Entscheidungen scheinbar abnimmt, weil das so effizient wirkt. Gleichzeitig spüre ich auch, wie falsch sich das anfühlen würde, gerade im politischen und sozialen Kontext. Wir wollen keine Abkürzung für Haltung, wir wollen keine Entschuldigung, die man vorschieben kann, wenn es unbequem wird. Leichter heißt für uns, dass wir uns die schweren Fragen nicht sparen, sondern dass wir sie an einer Stelle stellen, an der wir sie auch wirklich beantworten können. Und es heißt, dass wir uns daran erinnern, dass Verantwortung nicht an Funktionen delegiert werden darf, egal wie hilfreich sie sind.
Leichter heißt auch: menschlicher, langsamer, manchmal unperfekt
Wir begegnen so vielen Menschen, die sich erst dann trauen, wenn alles wasserdicht ist, und so vielen, die sich danach dafür schämen, dass es nicht perfekt war. Beides kann lähmen. Leichter heißt für uns, Räume zu schaffen, in denen man ausprobieren darf, ohne dass daraus sofort ein Urteil wird. Madeleina bringt dafür oft den Blick ein, dass sich Dinge nicht nur logisch, sondern auch menschlich anfühlen müssen, sonst bleiben sie kalt und fern. Leichter ist dann nicht nur eine technische Frage, sondern eine Frage von Ton, Vertrauen und dem Gefühl, willkommen zu sein, auch mit halbfertigen Gedanken.
Zum Schluss: Ein leichtes Beginnen, das das Schwere nicht leugnet
Manchmal denke ich, dass unser „leichter“ am ehesten so klingt: Wir müssen nicht alles auf einmal tragen, aber wir müssen es auch nicht wegschieben. Wir dürfen klein anfangen, ohne klein zu denken. Wir dürfen uns helfen lassen, ohne uns aus der Verantwortung zu stehlen. Wenn wir bei Aktivismo an eine freundliche, offene Plattform glauben, dann auch deshalb, weil wir glauben, dass Engagement nicht daran scheitern sollte, dass der Einstieg zu hoch ist. Leichter machen heißt für uns, die Schwelle zu senken, damit mehr Menschen ihre Hand an die Klinke legen können, und damit wir gemeinsam durch diese Tür gehen, aufmerksam, ehrlich und so gut wir eben können.
