Was Aktivismo eigentlich sein will
Manchmal merken wir erst im Gespräch, wie schwer es ist, in wenigen Sätzen zu sagen, was Aktivismo sein soll, ohne dabei zu groß zu klingen oder zu glatt zu werden. Wir arbeiten an etwas, das leise anfängt, in vielen kleinen Momenten entsteht und sich trotzdem nach einer klaren Richtung anfühlen muss. In dieser Rubrik halten wir deshalb immer wieder fest, was wir meinen, wenn wir „Aktivismo“ sagen, und was wir bewusst nicht daraus machen wollen.
Ein Ort, der den ersten Schritt leichter macht
Wir wollen, dass Engagement nicht an der Schwelle scheitert, an der es noch keine Gruppe gibt, keinen fertigen Plan und keine Zeit für stundenlange Vorbereitung. Oft ist da nur ein Gedanke, ein Gefühl von Unruhe, ein Ärger oder eine Hoffnung, und gleichzeitig dieses vage Wissen, dass man es irgendwie richtig machen sollte. Aktivismo soll genau in dieser frühen Phase helfen, ohne den Anspruch zu erheben, schon die ganze Lösung zu sein. Wir bauen etwas, das uns selbst gefehlt hat: einen ruhigen Raum, in dem aus einer Idee ein erster machbarer Schritt werden kann.
Ein Werkzeug, das Struktur gibt, aber nicht die Verantwortung nimmt
Die Kampagnen-Schmiede ist für uns keine Maschine, die Engagement produziert, sondern ein Werkzeug, das Ordnung in das bringt, was oft durcheinander im Kopf liegt. Wir wissen, wie leicht man sich in Details verliert oder im Anspruch stecken bleibt, alles sofort perfekt zu machen. Wenn die KI Vorschläge macht, dann sind das Entwürfe, die uns Zeit sparen können, aber nicht das Denken ersetzen. Wir wollen, dass Menschen nach dem Entwurf genauer hinschauen, abwägen, korrigieren und im Zweifel auch verwerfen, was nicht passt, weil Haltung nicht automatisiert werden kann.
Menschlich, nicht laut
Wir haben kein Interesse daran, Aktivismo als Bühne zu bauen, auf der man besonders schlagfertig oder besonders moralisch wirken muss. Uns liegt eher an einem Ton, der freundlich bleibt, auch wenn Themen schwer sind, und der die Menschen nicht zu Gegnern macht, nur weil sie anderer Meinung sind. Madeleina erinnert uns oft daran, dass Gestaltung auch eine Haltung ist, weil sie entscheidet, ob sich etwas nach Druck anfühlt oder nach Einladung. Wir wollen, dass Aktivismo Wärme ausstrahlt, ohne naiv zu werden, und Klarheit, ohne zu verhärten.
Kostenlos als Haltung, nicht als Trick
Dass Aktivismo kostenlos bleiben soll, ist für uns kein Zusatz, sondern Teil der Idee. Engagement hängt ohnehin zu oft an Ressourcen, die ungleich verteilt sind, und wir möchten nicht noch eine Hürde hinzufügen, die ausgerechnet die bremst, die ohnehin schon zu viel stemmen. Gleichzeitig spüren wir die Spannung, dass gute Arbeit Zeit kostet und verlässlicher Betrieb nicht von allein passiert. Wir wollen ehrlich bleiben, auch über diese offene Frage, und wenn es irgendwann Geld braucht, dann soll es nachvollziehbar, fair und ohne versteckte Erwartungen geschehen.
Vertrauen als Grundlage
Datenschutz ist für uns keine Fußnote, sondern eine Form von Respekt. Wer eine Idee aufschreibt, zeigt etwas von sich, manchmal auch Unsicherheit, manchmal einen Konflikt im eigenen Umfeld, manchmal einen sehr persönlichen Grund, warum ein Thema nicht loslässt. Wir wollen, dass Aktivismo ein Ort ist, an dem man das tun kann, ohne das Gefühl zu haben, dabei etwas zu verlieren. Deshalb denken wir lieber einmal zu viel darüber nach, welche Daten wirklich nötig sind, als später erklären zu müssen, warum wir mehr gesammelt haben, als wir verantworten können.
Was wir uns leise wünschen
Ich, Johann, ertappe mich manchmal bei dem Gedanken, dass Aktivismo am besten funktioniert, wenn wir gar nicht so oft im Mittelpunkt stehen. Wenn Menschen mit einem klareren Kopf aus der Kampagnen-Schmiede herausgehen, dann nicht mit dem Gefühl, dass ihnen etwas abgenommen wurde, sondern mit der Zuversicht, dass sie es selbst tragen können. Wir wünschen uns, dass Aktivismo ein Anfang ist, der nicht überfordert, und ein Begleiter, der nicht klammert. Vielleicht ist es am Ende genau das, was wir meinen, wenn wir sagen, was Aktivismo sein will: ein freundliches Stück Struktur, das Platz lässt für Mut, Zweifel und das echte Leben da draußen.
