Wohin wir Aktivismo entwickeln wollen
Wenn wir über die Zukunft von Aktivismo nachdenken, merken wir oft, wie nah Hoffnung und Vorsicht beieinander liegen. Da ist dieses leise Vertrauen, dass es einfacher gehen kann, ohne oberflächlich zu werden. Und da ist die Erfahrung, dass gute Absichten schnell an Alltag, Erschöpfung und Komplexität hängen bleiben. Wir wollen beides ernst nehmen, wenn wir weiterbauen.
Ein Ort, der beim Anfang bleibt
Wir kommen immer wieder zu der Frage zurück, was Menschen eigentlich brauchen, wenn sie etwas verändern wollen. Oft ist es nicht noch mehr Information, nicht noch ein Werkzeug für Perfektion, sondern ein klarer Anfang, der nicht beschämt. Aktivismo soll ein Ort bleiben, an dem aus einem diffusen Gedanken ein erster Schritt werden darf. Nicht groß, nicht endgültig, aber machbar. Und wir möchten, dass dieser Anfang sich menschlich anfühlt, so als würde jemand mit am Tisch sitzen und ruhig mitdenken, ohne das Gespräch an sich zu reißen.
Weniger Hektik, mehr Richtung
Wir spüren in uns selbst, wie leicht Engagement in ein Getriebensein kippt. Man arbeitet Listen ab, reagiert auf Dringlichkeiten, verliert dabei aber das Gefühl für Richtung und Sinn. Für die Zukunft wünschen wir uns, dass Aktivismo stärker dabei hilft, das Eigentliche zu schützen. Dass wir Funktionen bauen, die Klarheit schaffen, statt neuen Druck zu erzeugen. Ich, Johann, merke beim Entwickeln manchmal, wie verführerisch es ist, noch eine Möglichkeit einzubauen, noch eine Abkürzung, noch ein Extra. Und dann hilft mir der Gedanke, dass die beste Funktion manchmal die ist, die uns erlaubt, kurz zu atmen und bewusst zu entscheiden.
KI als Werkzeug, nicht als Stimme
Wir wollen die Kampagnen-Schmiede weiterentwickeln, aber nicht in die Richtung, dass die KI lauter wird. Sie soll nicht die Stimme von Initiativen werden, sondern eine Hilfe, damit Menschen ihre eigene Stimme schneller finden. Wir möchten, dass Aktivismo deutlicher daran erinnert, dass Verantwortung nicht ausgelagert werden kann, auch dann nicht, wenn ein Entwurf gut klingt. Gleichzeitig wünschen wir uns, dass die KI mehr Strukturarbeit übernimmt, die sonst viel Energie frisst, damit mehr Zeit für Gespräche, Treffen, Konfliktklärung und echte Beziehungen bleibt. Wir sehen die Grenze dort, wo Bequemlichkeit beginnt, Haltung zu ersetzen.
Vertrauen als Grundlage, nicht als Versprechen
Wenn wir an Wachstum denken, denken wir zuerst an Vertrauen. Nicht als schöne Idee, sondern als Grundlage, die man täglich neu verdient. Datenschutz soll bei Aktivismo nicht etwas sein, das man erst sucht, wenn man misstrauisch wird, sondern etwas, das still und konsequent mitläuft. Wir wollen weiter bei dem Prinzip bleiben, so wenig Daten wie möglich zu erheben und Kontrolle dort zu lassen, wo sie hingehört. Und wir möchten transparenter werden in dem, was wir tun, was wir nicht tun, und warum. Vertrauen entsteht für uns nicht durch perfekte Worte, sondern durch nachvollziehbare Entscheidungen.
Gemeinschaft ohne Bühne
Langfristig sehen wir Aktivismo nicht nur als Werkzeug, sondern als einen freundlichen Raum, in dem Menschen sich gegenseitig helfen können, ohne sich beweisen zu müssen. Uns beschäftigt die Frage, wie Vernetzung gelingen kann, ohne dass es zur Selbstdarstellung wird, und wie Unterstützung möglich ist, ohne dass sich neue Hierarchien einschleichen. Wir möchten, dass Aktivismo eine Kultur stärkt, in der man Fragen stellen darf, in der Entwürfe unfertig sein dürfen und in der man einander ernst nimmt. Vielleicht ist das sogar der wichtigste Teil unserer Zukunft, dass wir nicht nur schneller werden, sondern wärmer.
Ein Blick nach vorn, der nicht eilig ist
Manchmal wünschen wir uns einen klaren Plan mit festen Meilensteinen, weil das Sicherheit gibt. Und dann merken wir, dass unsere Arbeit eher einem sorgfältigen Gehen gleicht als einem Sprint. Wir wollen Aktivismo weiterentwickeln, Schritt für Schritt, mit offenem Ohr für Rückmeldungen und mit dem Mut, Dinge auch wieder zu vereinfachen. Wenn wir nach vorn schauen, dann nicht, weil wir alles schon wissen, sondern weil wir spüren, dass viele Menschen gerade Orte brauchen, die Orientierung geben, ohne sie festzulegen. Und vielleicht ist das unsere stillste, aber wichtigste Absicht, Aktivismo so wachsen zu lassen, dass es Engagement nicht größer macht als das Leben, sondern es besser in das Leben hineinpasst.
