Warum wir Aktivismo gestartet haben
Manchmal beginnt ein gemeinsames Projekt nicht mit einem großen Plan, sondern mit einem wiederkehrenden Gefühl, das sich über Jahre sammelt: Da ist so viel Wille, so viel Klugheit, so viel Mut in unserer Zivilgesellschaft, und trotzdem bleibt erstaunlich viel davon liegen, weil der Weg von der Idee zur Handlung oft unnötig schwer ist.
Was wir immer wieder gesehen haben
Wir haben erlebt, wie Menschen in Initiativen, Vereinen oder losen Gruppen an langen E-Mail-Ketten hängen bleiben, an unklaren Zuständigkeiten, an der Frage, wie man überhaupt anfängt, ohne gleich alles perfekt machen zu müssen. Nicht selten war die Motivation da, aber die Zeit fehlte, oder die Struktur, oder einfach ein erster greifbarer Schritt. Und manchmal war es auch nur diese leise Überforderung, die sich einstellt, wenn man merkt, wie groß ein Thema ist und wie klein das eigene Zeitfenster. Wir haben uns darin wiedererkannt, und gerade deshalb hat es uns nicht losgelassen.
Die Sehnsucht nach einem ersten machbaren Schritt
In vielen Gesprächen tauchte dieselbe Bewegung auf: Erst kommt die Idee, dann das Herzklopfen, dann die Suche nach Worten, dann die Sorge, etwas Falsches zu sagen, und irgendwann wird aus Energie ein Knoten im Kopf. Wir wollten etwas, das uns und anderen hilft, diesen Knoten zu lösen, ohne die Verantwortung abzugeben. Etwas, das nicht so tut, als gäbe es einfache Lösungen, aber trotzdem dabei unterstützt, Ordnung in die Gedanken zu bringen. Wenn wir bei Aktivismo von Klarheit sprechen, meinen wir oft genau das: nicht mehr wissen als vorher, aber besser wissen, was als Nächstes möglich ist.
Wie wir über ein Werkzeug nachgedacht haben
Als Johann habe ich lange geglaubt, dass gute Strukturen etwas sind, das man sich eben erarbeiten muss, mit Disziplin und Geduld. Das stimmt auch, aber es ist nicht die ganze Wahrheit. Ich habe gemerkt, wie viel Energie in Wiederholungen verloren geht, in Formulierungen, in der Suche nach einem passenden Ton, in der Sortierung dessen, was eigentlich schon da ist. Madeleina hat gleichzeitig immer wieder darauf geschaut, wie sich ein Prozess anfühlt, ob er einlädt oder abschreckt, ob er Raum lässt für Menschlichkeit. So entstand nach und nach die Idee, ein Werkzeug zu bauen, das nicht belehrt, sondern begleitet, und das nicht ersetzt, sondern stützt.
Warum es ausgerechnet die Kampagnen-Schmiede wurde
Wir sind bei der Kampagnen-Schmiede gelandet, weil sie genau an dieser empfindlichen Stelle ansetzt, an der viele Ideen stecken bleiben: bevor es sichtbar wird. Ein Entwurf ist noch keine Kampagne, aber er ist oft das, was den nächsten Schritt überhaupt ermöglicht. Wir wollten einen Ort schaffen, an dem man aus einem Gedanken zügig einen ersten Text, eine Struktur und ein paar handhabbare Bausteine bekommt, nicht als fertige Wahrheit, sondern als Material zum Prüfen, Verwerfen und Weiterdenken. Uns ist wichtig, dass dabei keine professionelle Fassade nötig ist. Wir wissen, dass Wirksamkeit nicht davon abhängt, ob man das Vokabular der Kampagnenwelt beherrscht.
Was uns bei KI wichtig ist
Wir nutzen KI, weil sie Zeit sparen und Blockaden abbauen kann, aber wir trauen ihr nicht die Verantwortung zu, die uns als Menschen zusteht. Diese Grenze ist für uns nicht technisch, sondern eine Frage der Haltung. Wir wollen nicht, dass jemand denkt, die Maschine habe entschieden, was richtig ist, oder dass ein guter Text schon eine gute Handlung ersetzt. Gleichzeitig sehen wir die Risiken, auch die, über die man lieber nicht so lange nachdenkt: schädliche Inhalte, Verzerrungen, der Hunger nach Ressourcen. Deshalb versuchen wir, klar zu bleiben, Schutzmechanismen einzubauen und immer wieder daran zu erinnern, dass jedes Ergebnis durch unsere Hände gehen muss, bevor es in die Welt darf.
Wohin dieses Projekt für uns gehört
Aktivismo ist für uns ein Versuch, Engagement ein Stück zugänglicher und menschlicher zu machen, ohne es zu vereinfachen. Es soll kostenlos bleiben, weil wir nicht wollen, dass eine Idee zuerst an einer Zahlung scheitert. Und es soll Vertrauen verdienen, weil ohne Vertrauen kein Raum entsteht, in dem man sich traut, Unfertiges zu denken. Wir sind ein kleines Team, und wir wissen, dass wir nicht alles können und nicht alles sehen. Aber vielleicht ist genau das ein Teil der Entstehungsgeschichte: dass wir Aktivismo nicht als fertige Antwort begonnen haben, sondern als Einladung, gemeinsam weniger stecken zu bleiben, wenn es eigentlich Zeit wäre, loszugehen.
